asr stellt sich hinter Reisebüros im Verfahren um Hinweispflichten
Präsidentin Anke Budde: „Reisebüros sind keine Wirtschaftsprüfer – Verantwortung liegt bei Insolvenzversicherern und Aufsichtsbehörden“
Berlin, 30. Oktober 2025 – Der asr Bundesverband e.V. bezieht Stellung zum laufenden Verfahren um mögliche Hinweispflichten von Reisebüros im Zusammenhang mit der FTI-Insolvenz. Präsidentin Anke Budde betont, dass Reisebüros nicht für die wirtschaftliche Situation von Reiseveranstaltern verantwortlich gemacht werden dürfen, und warnt vor einer gefährlichen Entwicklung, die die unternehmerische Freiheit und Vielfalt der Branche bedroht.
Statement der Präsidentin des asr Bundesverband e.V., Anke Budde
Jeder muss sich selbst ein Bild davon machen, welcher Unternehmerverband tatsächlich die Interessen seiner Mitglieder vertritt. Der asr sieht seine Aufgabe darin, die Interessen der Unternehmer:innen in der Touristik zu vertreten und sie vor möglichen Schäden zu schützen. Wir haben in Deutschland einen gut funktionierenden Verbraucherschutz – entscheidend ist, dass die bestehenden Regeln konsequent angewendet werden. Reisebüros und Reiseveranstalter haben ohnehin stets die Zufriedenheit ihrer Kundinnen und Kunden im Blick. Wer jedoch vorgibt, Reisebüros zu vertreten, aber faktisch gegen sie agiert, stellt sich aus unserer Sicht klar gegen die Branche.
Wir als asr stellen uns eindeutig vor die Reisebüros. Es ist weder deren Aufgabe noch realistisch, die finanzielle Situation von Reiseveranstaltern einzuschätzen. Reisebüros sind keine Wirtschaftsprüfer! Diese Verantwortung liegt klar bei den Insolvenzversicherern und den Aufsichtsbehörden.
Reisebüros treffen täglich unternehmerische Entscheidungen: Sie wählen ihre Partner sorgfältig aus, beraten ihre Kundinnen und Kunden individuell und übernehmen Verantwortung für ihre Empfehlungen. Dabei müssen sie sich auf die bestehenden Systeme und Sicherungsmechanismen verlassen können und nicht auf Gerüchte oder öffentliche Mutmaßungen. Wenn wir anfangen, bei jedem Hinweis auf mögliche wirtschaftliche Schwierigkeiten in Panik zu verfallen und Geschäftsbeziehungen vorsorglich zu beenden, dann ist unsere gesamte Wirtschaft alsbald kaputt. Vertrauen in bestehende Strukturen und sachliche Bewertungen sind die Grundlage für unternehmerisches Handeln.
Wenn es zu einer Insolvenz kommt, tragen Reisebüros ohnehin schon die wirtschaftlichen Folgen durch den Verlust von Provisionen. Eine zusätzliche Pflicht, mögliche Risiken vorherzusehen oder gar vor einer Insolvenz zu warnen, wäre ein massiver Eingriff in ihre unternehmerische Freiheit und schlicht nicht umsetzbar.
Gerade im mittelständisch geprägten Markt arbeiten Reisebüros häufig mit kleineren, hochspezialisierten Veranstaltern zusammen. Diese Vielfalt ist eine Stärke unserer Branche. Wie sollen Reisebüros die wirtschaftliche Lage solcher Anbieter realistisch einschätzen können? Wenn wir anfangen, jedes Unternehmen aus Angst vor Haftung zu meiden, schwächen wir genau das, was den deutschen Reisemarkt ausmacht: Vielfalt, Kompetenz und Unabhängigkeit.
Reisebüros sind verpflichtet, Kundinnen und Kunden über den Unterschied zwischen Pauschalreisen und Einzelleistungen aufzuklären – und das tun sie. Am Ende entscheidet der Kunde selbst, was er bucht. Wir müssen insgesamt weg von der um sich greifenden Vollkasko-Mentalität und uns bewusst machen, welche Reichweite unsere eigenen Entscheidungen haben können. Verantwortung für unser Handeln müssen wir selbst übernehmen – sowohl im Alltag als auch beim Reisen. Dieses gilt für Kunden und Unternehmer gleichermaßen. Wir können nicht loslaufen und erwarten, dass andere für jede Entscheidung haften. So funktioniert nicht das Leben und auch nicht der Markt.
Was wir brauchen, ist weniger Misstrauen und mehr Bewusstsein dafür, wie komplex und verantwortungsvoll die Arbeit von Reisebüros ist. Der Mittelstand ist das Rückgrat dieser Branche – und wer ihn schwächt, gefährdet die Vielfalt und Qualität des Reisemarkts in Deutschland.
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