Pride Month 2026: Tourismus lebt von Freiheit, Vielfalt und Respekt
Berlin, 28. Mai 2026: Der Juni steht weltweit im Zeichen des Pride Month. Er erinnert an den jahrzehntelangen Kampf von LGBTQIA+-Menschen um Gleichberechtigung, Sichtbarkeit und ein Leben ohne Angst. Gleichzeitig macht der Pride Month deutlich, dass Freiheit, Sicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz vielerorts weiterhin unter Druck stehen.
Seinen Ursprung hat der Pride Month in den sogenannten Stonewall-Aufständen von 1969 in New York. Damals wehrten sich queere Menschen erstmals öffentlich gegen Polizeigewalt, Diskriminierung und systematische Ausgrenzung. Die Proteste rund um das „Stonewall Inn“ gelten bis heute als Wendepunkt der internationalen LGBTQIA+-Bewegung und als Beginn eines weltweiten Einsatzes für gleiche Rechte und gesellschaftliche Anerkennung.
Mehr als fünf Jahrzehnte später bleibt dieser Einsatz hochaktuell. Nach Angaben der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) werden homosexuelle Menschen weiterhin in mehr als 60 Staaten strafrechtlich verfolgt. In mehreren Ländern drohen langjährige Haftstrafen, in einigen sogar die Todesstrafe. Für viele Betroffene bedeutet das, dass sie weder offen leben noch unbeschwert reisen können, ohne Diskriminierung oder staatliche Repression befürchten zu müssen. Gleichzeitig werden auch in einzelnen europäischen Staaten Rechte von LGBTQIA+-Menschen zunehmend eingeschränkt.
Auch innerhalb Europas ist Gleichstellung keineswegs selbstverständlich. Laut der aktuellen „Rainbow Map“ von ILGA-Europe erreicht Europa bei der rechtlichen Gleichstellung von LGBTQIA+-Personen durchschnittlich lediglich rund 43 Prozent. Deutschland liegt mit 69,5 Prozent zwar über dem europäischen Durchschnitt, weist jedoch weiterhin deutlichen Handlungsbedarf auf. Besonders kritisch bleibt die Situation in mehreren osteuropäischen Staaten.
Hinzu kommt ein zunehmend angespanntes gesellschaftliches Klima. Die Zahl queerfeindlicher Straftaten in Deutschland steigt seit Jahren deutlich an. Für das Jahr 2025 wurden laut einer offiziellen Anfrage im Deutschen Bundestag vorläufig 2.048 queerfeindliche Straftaten registriert. Bereits 2023 hatte das Bundeskriminalamt 1.785 Straftaten gegen sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität erfasst – ein Anstieg von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Delikte reichen von Beleidigungen und Bedrohungen bis hin zu schweren Gewalttaten.

Expertinnen und Experten gehen zudem von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Nach EU-Erhebungen werden viele Fälle von Hasskriminalität und Diskriminierung nicht angezeigt – häufig aus Angst, Scham oder mangelndem Vertrauen in staatliche Konsequenzen.
Der asr Bundesverband e.V. sieht darin auch eine Herausforderung für die Tourismuswirtschaft.
„Tourismus lebt von Offenheit, Begegnung und dem respektvollen Umgang mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Identitäten und Lebensrealitäten. Als Branche stehen wir international für Austausch, Vielfalt und Verständigung. Diese Werte dürfen nicht nur Teil von Imagekampagnen sein, sondern müssen auch gesellschaftlich verteidigt werden. Wer schweigend wegschaut, wenn Menschen ausgegrenzt, beleidigt oder angegriffen werden, sendet am Ende Zustimmung aus – ob bewusst oder unbewusst. Das ist nicht nur eine Gefahr für LGBTQIA+-Menschen, sondern für unsere freiheitlichen Werte insgesamt und für die demokratische Grundordnung, auf der unser gesellschaftliches Zusammenleben basiert“, erklärt asr-Präsidentin Anke Budde.

Der Verband verweist darauf, dass die Tourismusbranche weltweit zu den vielfältigsten Wirtschaftsbereichen gehört. Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religionen und Lebensmodelle arbeiten täglich zusammen und ermöglichen Begegnungen über kulturelle und geografische Grenzen hinweg.
„Die Entwicklung ist besorgniserregend. Immer wieder wird behauptet, Gleichberechtigung sei längst erreicht. Gleichzeitig erleben Menschen weiterhin Gewalt und Anfeindungen – auch mitten in unserer Gesellschaft. Das zeigt, wie wichtig Sichtbarkeit, Solidarität und klare Haltung weiterhin sind“, betont Tanja Bauer-Glück, Vizepräsidentin des asr sowie Präsidentin der Global Diversity Alliance (GDA).
Der asr Bundesverband e.V. spricht sich entschieden gegen jede Form von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt aus und ruft Unternehmen sowie Gesellschaft dazu auf, Verantwortung aktiv wahrzunehmen.
Tourismus bedeutet nicht nur Reisen. Tourismus bedeutet auch Offenheit, gegenseitigen Respekt und die Freiheit, ohne Angst verschieden sein zu dürfen.
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