Bundeshilfen für Touristik: asr befürchtet Wettbewerbsverzerrung und Pleitewelle

Mittelstandsverband kritisiert „Lex TUI“

Pressemitteilung 01.07.2020

„Es sieht nur auf den ersten Blick gut aus, aber es ist das Ende des touristischen Mittelstandes – und die GroKo ist der Totengräber“, findet asr-Präsident Jochen Szech deutliche Worte für die geplanten „Tourismushilfen“ der Bundesregierung.

Wie der asr heute aus dem BMWi erfuhr, sollen zwar nun endlich Reisebüros die ihnen entgangenen Provisionen zumindest anteilig erstattet bekommen, indem diese wie Betriebskosten behandelt werden. Im Bereich der Reiseveranstalter sollen hingegen ausschließlich Veranstalter mit Direktvertrieb ihre Margenausfälle geltend machen können. Reiseveranstalter, die über Reisebüros vertreiben, sollen nach dem Entwurf des BMWI von dieser Finanzhilfe ausgeschlossen bleiben.

Auf Nachfrage erhielt der asr als Begründung genannt, ‚dass Direktvertriebler ähnlich wie Reisebüros arbeiten‘. Beim Mittelstandsverband der Branche herrscht Fassungslosigkeit; so kritisiert Szech: „Das ist nicht nur falsch, es schafft auch eine massive Wettbewerbsverzerrung!“ Der asr befürchtet, dass nun ein Massensterben der mittelständischen B2B-Veranstalter einsetzt, denn „diese sehen keinen Cent“, so Szech. Aber auch für die 11.000 deutschen Reisebüros sieht Szech mittelfristig schwarz: „Mit dieser ‚Lex TUI‘ bleiben TUI, DER, FTI und noch zwei, drei andere Konzerne bestehen, da sie sich über Staatshilfen, andere Geschäftszweige oder ausländische Investoren die notwendige Liquidität verschafft haben. Die Reisebüros werden nun auf Gedeih und Verderb dem Konditionsdiktat der Großveranstalter ausgesetzt sein!“

Der asr befürchtet zudem, dass diejenigen Reiseveranstalter, die jahrzehntelang eine faire Partnerschaft mit dem Reisebürovertrieb gelebt haben, nun quasi gezwungen sind, umgehend und aktiv auf Direktvertrieb umzusteigen: „Wenn das die Auffassung der Bundesregierung von Förderwürdigkeit ist, wäre jeder B2B-Veranstalter dumm, wenn er nicht vor der nächsten Pandemie den Vertriebskanal Reisebüros aufgibt“, so Szech. Die TUI dagegen, befürchtet der Mittelstandsverband, habe endlich Argumente, den ungeliebten Reisebürovertrieb zurückzufahren und ganz auf den Onlinehandel zu setzen.